patrol-welt

Graue Mause – Kassenmodell mit besonderem Reiz

An dieser Stelle möchte ich euch meine kleine Sammlung der grauen Mäuse vorstellen. Insgesamt haben sich (nacheinander) derer 2 in meinem Besitz befunden. Alle Fahrzeuge dieser Gattung hatten den gleichen Ursprung, sie stammten aus dem Fuhrpark eines großen Stromversorgers (VEAG) der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik.
Die Legende erzählt, dass diese Fahrzeuge in einer Stückzahl von 50 Einheiten eine “Zugabe” zu einem riesigen Braunkohlebagger waren und zunächst als Schichtzubringer oder Mannschaftswagen im Tagebau eingesetzt wurden. Später wurden einige dieser Patrol dann auch für Wartungsarbeiten des Versorgungsnetzes herangezogen.
Dabei sind diese Fahrzeuge direkt von Nissan Japan in die DDR geliefert worden ohne das ein offizieller Importeur oder gar Händler je davon Wind gekriegt hätte. Selbst Nissan Deutschland wusste eine ganze lange Zeit nichts von der Existenz dieser Exoten.
Leider besitze ich von diesen Autos heute kein einziges mehr aber ich gebe die Hoffnung nicht auf das das Schicksal mir eines Tages nochmal zu einem solchen Gefährt verhilft (die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt).

In meinem näheren Umfeld haben sich temporär noch weitere 6 dieser grauen Mäuse getummelt die dann mit der Zeit leider zum Teil ins Ausland verkauft wurden. Andere dienten als Organspender  und wieder andere befinden sich heute in der Privatsammlung des Herrn Ronald P. Lieben GR-uß an dieser Stelle, hüte sie wie deinen Augapfel!
Insgesamt dürften heute noch ca. 8-10 dieser Fahrzeuge existieren.

Den Anfang dieses kleinen Reigens soll jetzt aber mein erster 4,2 Liter Diesel GR machen den ich je in Händen hatte. Es handelte sich dabei um einen der allerersten GR Weltweit, denn das Baujahr war mit September 1987(!!!) angegeben. Nun wissen wir als Kenner das der Patrol GR in Deutschland ja erst im zweiten Halbjahr des Jahres 1988 erschien, doch wurden bereits im Jahre 1987 13974 Fahrzeuge des Patrol GR Typ Y60 produziert. Im August 1987 entstanden im Werk Nichide einige Vorserienmodelle, im November 1987 startete dann die eigentliche Serienproduktion des Y60. 

Über das Forum von www.viermalvier.de machte mich ein Forumskollege (hier nochmal vielen Dank an Rafael) auf einen kurzen Patrol mit einem 4,2 Liter Saugdiesel-Motor aufmerksam. Ohne lange zu zögern bin ich dann zusammen mit Dirk und Nico aus dem hohen Norden in den tiefen Süden nach Regensburg gefahren um das Auto in die Heimat zu holen. Der Patrol war nach seinem wohl relativ kurzen Einsatz bei der VEAG in den Besitz eines GaLaBau Betriebes übergegangen, was man diesem Auto recht deutlich ansah.

Hier ein Bild von der ersten “Gegenüberstellung”:

Die Heimfahrt mit diesem Vehikel war wie ein Ritt auf der Kanonenkugel da das Fahrwerk in einem wirklich lausigen Zustand war. Es gab nicht eine Gummibuchse die nicht ausgeschlagen war (aber Spaß gemacht hats trotzdem!)! Nico der in seinem Subaru hinter uns fuhr hat sich die ganze Rückfahrt über halb kaputt gelacht da der Patrol ab 110km/h mit dem Heck gewackelt hat wie ne nervöse Ente.

Dieses Auto war also mein allererster Livekontakt zu einem dieser Sagenumwobenen 4,2er Diesel Patrols von denen ich bisher zwar immer mal wieder gehört, aber noch nie einen zu Gesicht bekommen hatte. Ist er nicht einfach Wunderschön? ;o))

Aus dieser Perspektive sieht er doch ganz brauchbar aus, oder? Naja, Ok, ist auch seine Schokoladenseite, der Rest sah anders aus, wie im folgenden zu sehen…

Auf diesem Bild sieht man doch mehr als deutlich das der Grubeneinsatz deutliche Spuren am Fahrwerk und hier vor allem an den Federn hinterlassen hat.

Naja, ich gebe zu den einen oder anderen Schönheitsfehler mehr hatte der Wagen schon. Dellen und Beulen an fast jeder Ecke, nen schlecht Instand gesetzten Blechschaden hinten rechts, der Kotflügel vorne rechts war kaum mehr vorhanden und die Karosserieaufnahmen sahen auch nicht wirklich Vertrauenserweckend aus. Aaaaaaber die Technik, die Technik war Topfit und das war das wichtige. Das das Blechkleid drum herum auch nochmal zum Einsatz kommen sollte war zu dem Zeitpunkt ja garnicht geplant aber es bestätigt sich halt immer wieder: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!

Als Bereifung kam bei all diesen Autos die Größe 7,50R16 zum Einsatz, montiert auf Bleischweren 5,5×16 Sprengringfelgen. Es wurden natürlich Schläuche in den Reifen verwendet, was bei Sprengringfelgen ja auch kaum anders machbar ist.

Der Arbeitsplatz des Fahrers. Überflüssig zu erwähnen das die Ummantelung des Lenkrades sich im oberen Bereich lustig munter um die eigene Achse drehen ließ, oder? Diese Krankheit dürfte fast jedem Patrolisten, egal welcher Baureihe bekannt sein.
Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten aber dieses Braun der Innenausstattung? Ich weiß ja nich…  🙁

Ob man es glaubt oder nicht, diese Dinger sind wirklich als 8-Sitzer zugelassen! Auf einer solchen Bank sollen also 3 Tagebau-Leutchen gesessen haben und zur Schicht gebracht worden sein. Allein bei dem Gedanken tut mir schon alles weh! Gurte gibt es für die längs zur Fahrtrichtung sitzenden Fahrgäste auch nicht, diese wären erst ab einem Modell des Baujahres 1993 aufwärts Pflicht gwesen. Probleme mit der Kopffreiheit gibt es übrigens bis zu einer Körpergröße von 1,90m keine, da das serienmäßige Hochdach (keine Spezialanfertigung) die Innenhöhe um sage und schreibe 17cm vergrößert. 
Nur um mal eine Vorstellung davon zu bekommen: Als Fahrer bzw. Beifahrer kannst Du den Kopf in den Nacken legen mit ner 1,5 Liter Cola-Flasche am Hals! Versuch das mal in nem Patrol ohne Hochdach… 

Für den Fahrer und Beifahrer ist genügend Platz vorhanden, die Jungs da vorne können sich so richtig breit machen auf Ihren luxuriösen Kunstledersesseln.  ;o))

Ja, und so sieht dann die “Billigvariante” des TD42 Saugdiesel aus. Auch hier zwei Ölfilter (je einer für Haupt- und Nebenstrom) und den vorgeschalteten, innen liegenden Zyklon. Hier gibts aber nur eine Batterie und auch nur einen Kraftstofffilter.

Wie man hier sehr schön sieht ist auch bei diesen Modellen eine Reiheneinspritzpumpe verbaut (Bosch Kiki) was eine Umrüstung auf Pflanzenölbetrieb deutlich erleichtern würde.


Nun hatte ich also endlich selbst eines dieser seltenen Gefährte in meinen Besitz bringen können. 
Die Ausstattungsliste des Fahrzeuges liest sich wie ein nagelneues Vokabelheft: Es is nix drin!
– 4,2 Liter Saugdiesel (TD42, 85kW/115PS, 264Nm)
– 4-Gang Schaltgetriebe (Bezeichnung FN4R50A)
– 8 Sitze (hinten 2 Längssitzbänke, wie auf den Bildern deutlich zu sehen)
– keine Servolenkung (Muckibude Ade!)
– Trommelbremsen hinten (aber wenigstens n Limited Slip Diff in der Hinterachse)
– keine Freilaufnaben
– Hochdach
– Kunstledersitze und Venylbodenbelag (wenigstens war welcher drin!)
Das man Luxusgüter wie eFh, ZV oder ne Heckscheibenheizung und dergleichen vergeblich sucht, brauch ich wohl nicht extra zu erwähnen, oder?
Also ein richtiges “Kassenmodell”. Aber eben mit einem absoluten Sahnemotor mit originalen 132.000 km auf dem Tacho, also grad erst eingefahren.
Dienen sollte dieses Auto eigentlich nur als Teileträger. Der ursprüngliche Plan war eigentlich den kompletten Antriebstrang in einen langen GR mit Hochdach und möglichst mit Motorschaden zu verpflanzen. Auf der Suche nach einem solchen Basisfahrzeug fand ich aber dann glücklicherweise meinen heutigen 93er GR Station den ich euch unter: Der “Blaubär” auf dieser Homepage gern vorstellen möchte. Somit war das Umbauprojekt quasi von Heute auf Morgen gestorben und ich veräußerte den kurzen Hochdach GR zunächst an Dirk der ihn wiederum wenig später an meinen Kumpel Ralf abgab. Dieser zauberte mit der Zeit ein richtiges Schmuckstück daraus, doch dazu mehr unter: Die “gelbe Macht“.

Ich schrieb ja schon das obiger Patrol zwar der erste, aber nicht der letzte Vertreter der grauen Mäuse in meinem Besitz sein sollte:

Da meine Frau ja auch mobil sein muss hatte ich für wenig Geld zwischenzeitlich mal einen 92er Skoda Favorit (nicht lachen!) von unserem Nachbarn erworben der eigentlich auch seinen Dienst tat aber natürlich nicht wirklich Standesgemäß für einen Patrolisten war (hörthört). Als dieser Skoda sein Leben schon fast ausgehaucht hatte kam quasi der “rettende” Anruf von Freund Ronny (GR-uß nach Berlin) mit der Meldung das er mir doch seinen kurzen 1989er Hochdach GR zum Kauf anbieten wolle. Na da kann ich doch nicht Nein sagen, oder? Nee, kann ich natürlich nicht, und so hatte meine Frau also Gelegenheit sich (quasi als Vorbereitung für die spätere Übernahme der “gelben Macht”, (wußte damals natürlich noch keiner von uns) schonmal mit diesem Servolenkungslosen Fahrzeug einzustimmen. 
Dieses Auto entstammte ebenfalls aus den Beständen der VEAG und hatte genauso wie die spätere “gelbe Macht” die Ausstattungsvariante Nullinger!

Dieses Bild entstand auf der Abholtour des Patrol auf dem Rückweg von Berlin in die Heimat. Wir waren extra mit Dirk seiner grauen Maus nach Berlin gefahren da wir es für ganz witzig hielten mal nen Miniconvoi dieser Fahrzeuggattung zu starten. Die Gelegenheit für ein solches Foto wird sich vermutlich so schnell nicht wieder bieten, leider.

Dieses Foto entstand direkt nach der Ankunft daheim. Der Sohnemann posiert ganz stolz vor Mamas erstem eigenem Patrol. Danach sind die beiden erstmal zu ner ausgiebigen Probefahrt gestartet (keine Angst, meine Frau ist gefahren ;o)).

Ich habs mir natürlich auch nicht nehmen lassen gleich mal den “Fuhrpark” gemeinsam abzulichten.  ;o))

Ronny hatte ja bereits manuelle Freilaufnaben an dem guten Stück nachgerüstet, so begnügte ich mich damit etwas größere Rückspiegel, eine Mittelkonsole und andere Räder zu montieren: 33×9,5-15 BFG MT auf 7,25×15 CW-Felgen. Damit sah er gut aus und fuhr ohne Servolenkung trotzdem recht manierlich (fand ich, meine Frau war da geringfügig anderer Meinung).

Das Tor mach auf, die Tür mach weit! Mit hochgeklappten Rücksitzbänken schafft man ne ganze Menge Laderaum!

Hier sieht man nun schon das die Innenausstattung doch um einiges besser erhalten war als beim Erstbesitz, dem 87er.

Und auch bei diesem Auto noch ein Bild vom Motor! Ich kann einfach nicht genug von diesem Maschinchen kriegen…  *lechtz*

Der allgemeine Zustand von Ronnys grauer Maus war dank auch der Pflege seines Vorbesitzers schon um Welten besser als der meines ersten Vertreters dieser Zunft. Dennoch gab es einige Ecken und Kanten die bei genauerer Betrachtung der Nacharbeit bedurften wie die nun folgenden Bilder eindrucksvoll beweisen:

Eher untypisch das der Kotflügel an diesen Stellen gammelt aber wer weiß wie ihm im ersten Leben geschah…

Der Schweller, eine der typischen Rostnester eines jeden Patrol.

Auch unter den Fenstergummis kann schon mal was braunes hervorkriechen und ich meine damit nicht irgendwelches Getier…

Durch die Tatsache das im hinteren Radlauf zwei Bleche übereinander liegen welche nicht ausreichend der Rostvorsorge unterworfen wurden tummelt sich hier die braune Pest mit Vorliebe wie auf den beiden oberen Bildern zu sehen. 

Die oberen 4 Bilder zeigen generelle typische Rostnester des Patrol GR. Sollte sich also jemand für nen gebrauchte interessieren, ruhig mal die Arbeit machen und den Teppich im Fußraum vorne und die Kofferraumverkleidung hinten abnehmen! 

Unschön aber man kann zur Not damit leben. Solche Kleinigkeiten fallen einem erst durch Zufall auf. Interessant nur mit welcher Gelassenheit man sowas hinnimmt wenn es sich um ein “Arbeitstier” (im wahrsten Sinne des Wortes) handelt…

Eine sehr unkonventionelle Art ein Loch zu “stopfen”. Einfach mal n Stück Tape drüber und alles wird gut, naja, oder auch nich. Wär vielleicht doch besser gewesen den Antennenfuß drin zu lassen.

Jaja, der Scheibenrahmen. Eine der “Sollbruchstellen” des Patrol, zumindest wenn er Schiebefenster hat. Dies war einer der Gründe weswegen ich beim Blaubären diese Schiebescheiben gegen feste mit einfachem Gummi getauscht habe. Nie wieder vergammelte Scheibenrahmen! Sowas gibts übrigens auch für den kurzen GR – beim freundlichen Nissan-Dealer  ;o))

Irgendwann bot sich die Gelegenheit die “gelbe Macht” von Ralf zu übernehmen und da ich leider kein Geld sch…, äh sorry, drucken kann musste ich einen neuen Besitzer für diesen 89er GR finden. Ich gab ihn also letztendlich in die guten Hände einiger Dänischer Patrol-Kollegen welche wir vor ein paar Jahren bei der Pomerania, einer Offroad-Trophy in Polen, bereits kennen gelernt hatten. Die Wege des Herrn sind eben doch unergründlich…

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